Willkommen bei Paulas Alltagszauber.
Gemeinsam mit ihren Freunden Theo, Ida und Mia entdeckt Paula die kleinen großen Abenteuer des Kinderalltags. Ob letzter Kita-Tag, Sommerferien, Halloween oder der erste Schnee – hinter jedem Tag steckt ein bisschen Alltagszauber.
Als Paula an diesem Morgen die Augen öffnete, wusste sie sofort, welcher Tag heute war.
Heute war ihr letzter Tag im Kindergarten.
Einen Moment blieb sie noch unter ihrer Decke liegen und lauschte den Geräuschen des Hauses. Von draußen zwitscherten Vögel. Auf der Fensterbank saß Kitty und beobachtete aufmerksam einen Vogel im Garten.Pippa hatte es sich am Fußende von Paulas Bett gemütlich gemacht und schlief noch tief und fest.
Paula lächelte.
Alles war wie immer.
Und doch fühlte sich heute etwas anders an.In ihrem Bauch kribbelte es. Ein bisschen wie vor einem Geburtstag. Ein bisschen wie vor Weihnachten.
Und ein kleines bisschen traurig.
Beim Frühstück bemerkte Mama sofort, dass Paula ungewöhnlich still war.
„An was denkst du?“, fragte sie.
Paula rührte in ihrem Müsli.
„Heute ist mein letzter Kita-Tag.“
Mama nickte.
„Ja, das stimmt.“
„Komisch, oder?“
„Ein bisschen.“
Paula schaute aus dem Fenster.
„Ich freue mich auf die Schule.“
„Das glaube ich.“
„Aber ich werde die Kita vermissen.“
Mama lächelte.
„Manchmal passen zwei Gefühle gleichzeitig in ein Herz.“
Paula dachte darüber nach. Das gefiel ihr. Vielleicht war das Kribbeln in ihrem Bauch einfach eine Mischung aus allem.
Als sie wenig später vor der Kita stand, wartete Theo schon auf sie.
„Paula!“, rief er und winkte.
Sofort musste sie lächeln.
„Heute ist unser letzter Tag!“
Theo grinste.
„Und bald sind wir Schulkinder!“
Gemeinsam gingen sie hinein.
Im Gruppenraum roch es nach Buntstiften, Holzbausteinen und frischen Äpfeln.
Paula hängte ihre Jacke an ihren Garderobenhaken.
Einen Moment blieb sie stehen.
Wie oft hatte sie das schon gemacht?
Bestimmt hundertmal.
Oder tausendmal.
Am Vormittag spielten die Kinder ihre Lieblingsspiele.
Paula und Theo bauten eine riesige Murmelbahn.
Zusammen mit Toni buddelten sie im Sandkasten.
Sie malte ein Bild für Frau Becker.
Und sie schaukelte auf ihrer Lieblingsschaukel, bis ihre Haare im Wind flatterten.
Immer wieder dachte Paula:
Das mache ich heute zum letzten Mal.
Zum letzten Mal saß sie auf diesem Teppich.
Zum letzten Mal spielte sie in der Bauecke.
Zum letzten Mal hing ihre Jacke an diesem Garderobenplatz.
Doch je länger der Tag dauerte, desto mehr wollte Paula nicht traurig sein.
Sie wollte sich erinnern.
An die schönen Dinge.
An die lustigen Dinge.
An all die kleinen Momente.
Nach dem Mittagessen versammelten sich alle Kinder im Kreis.
Frau Becker lächelte.
„Heute verabschieden wir unsere Vorschulkinder.“
Paulas Herz klopfte ein wenig schneller.
Die Kinder sangen ein Lied.
Dann bekam jedes Vorschulkind eine Erinnerungsmappe.
Vorsichtig öffnete Paula ihre.
Auf der ersten Seite klebte ein Foto vom Laternenfest.
Auf einem anderen Bild hielt sie stolz einen selbst gebastelten Drachen in die Höhe.
Dann entdeckte sie ein Foto von sich, Theo und Toni im Sandkasten.
Alle drei lachten so sehr, dass sie die Augen fast geschlossen hatten.
„Weißt du noch?“, fragte Theo.
Paula musste lachen.
„Da wollten wir einen Tunnel bis ans andere Ende der Welt graben.“
„Und wir haben nur einen Regenwurm gefunden!“, ergänzte Toni.
Die Kinder kicherten.
Sogar Frau Becker musste schmunzeln.
Später gingen die Vorschulkinder noch einmal gemeinsam über den Kindergartenhof.
Sie schauten sich alles genau an.
Die Rutsche.
Das Klettergerüst.
Die Schaukel.
Die Beete, in denen sie im Frühling Blumen gepflanzt hatten.
Und den großen Baum.
Unter diesem Baum hatten sie oft Geschichten gehört.
Im Sommer spendete er Schatten.
Im Herbst ließ er seine Blätter tanzen.
Und im Winter hatten die Kinder darunter manchmal die ersten Schneeflocken beobachtet.
Paula setzte sich ins Gras.
Der Wind rauschte leise in den Blättern.
„Ich werde die Kita vermissen“, sagte sie leise.
Da setzte sich Frau Becker neben sie.
Eine Weile schwiegen beide.
Dann lächelte Frau Becker.
„Weißt du, Paula?“
„Was denn?“
„Die schönen Erinnerungen bleiben hier.“
Sie zeigte auf Paulas Herz.
„Und hier.“
Paula legte ihre Hand auf ihre Brust.
Sie dachte an das Laternenfest.
An die Murmelbahnen.
An Theo und Toni.
An die vielen Geschichten unter dem Baum.
Vielleicht hatte Frau Becker recht.
Vielleicht musste man die schönen Dinge gar nicht festhalten.
Vielleicht nahm man sie einfach mit.
Paula lächelte.
Und plötzlich fühlte sich der Abschied ein kleines bisschen leichter an.
Als Mama sie später abholte, hielt Paula ihre Erinnerungsmappe fest an sich gedrückt.
Zu Hause setzte sie sich auf die Terrasse.
Kitty sprang sofort neben sie.
Pippa rollte sich schnurrend zu ihren Füßen zusammen.
Paula blätterte noch einmal durch die Bilder.
Dann schaute sie in den Himmel.
Heute ging etwas Schönes zu Ende.
Aber nicht alles.
Ihre Erinnerungen blieben.
Ihre Freundschaften blieben.
Und morgen würde ein neues Abenteuer ein kleines Stück näher rücken.
Die Schule.
Bei diesem Gedanken spürte Paula wieder das Kribbeln in ihrem Bauch.
Doch jetzt wusste sie, was es war.
Es war Vorfreude.
Und ein kleines bisschen Mut.
Und genau das brauchte man wohl für einen Neuanfang.
Ende